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Philosophie

Yoga ist so populär wie nie zuvor. Die Angebote sind so verschieden und reichhaltig, dass für jeden etwas dabei ist. Doch leider wird sehr oft vergessen, dass Yoga ursprünglich ein reines Philosophiesystem war. Deshalb ist es mir ein persönliches Anliegen, dies etwas näher zu erläutern.

Die nachfolgenden Ausführungen dienen zum besseren Verständnis und für diejenigen, die Yoga in seiner Tiefe ergründen möchten. Sie sind keine Voraussetzung zum Üben der asanas.

Die Schriften sind ca. 3500 v.Chr. entstanden; die mündliche Überlieferung reicht viel weiter zurück. Yoga wie wir es heute kennen, wurde ca. 500 n.Chr. aus dem Tantra heraus begründet. Die Tantriker sahen den Körper als ein Hilfsmittel für ihre sadhana ( spirituelle Praxis ).

Yoga ( sanskrit = Einheit, Harmonie, Verbindung) ist eines der sechs klassischen indischen Philosophiesysteme (darshana). Es ist ein Jahrtausende altes, ganzheitliches Übungssystem, dessen höchstes Ziel die Selbstverwirklichung ist. Dieses Ziel kann man auf sechs verschiedenen Wegen erreichen:

· Raja Yoga
· Jnana Yoga
· Karma Yoga
· Bhakti Yoga
· Hatha Yoga
· Kundalini Yoga

Im Raja Yoga geht es um Kontrolle und Mechanismen des Geistes. Patanjali (ca. 2. Jh. v.Chr.) erläutert in den Raja Yoga Sutras die praktische Anwendung des sogenannten achtfachen Pfades.

Die einzelnen Stufen sind:

yama
niyama
asana
pranayama
pratyahara
dharana
dhyana
samadhi

Yamas sind allgemeine Verhaltensregeln im Umgang mit anderen. Das sind:

· ahimsa - Gewaltlosigkeit
· satya - Wahrhaftigkeit
· asteya - nicht stehlen
· brahmacharya - reine Lebensweise
· aparigraha - Unbestechlichkeit

Niyamas ist die innere, geistige Disziplin. Dazu gehören:

· sauca - Reinheit
· santosha - Zufriedenheit
· tapas - Askese
· svadhyaya - Selbsterforschung, Studium der Schriften
· ishvarapranidhana - Hingabe an Gott

Asanas sind die Körperübungen. Sie fördern Flexibilität, Beweglichkeit, Konzentration und stärken die Muskulatur auf sanfte Weise. Man geht achtsam und bewusst in die asana hinein, hält diese eine Weile möglichst entspannt und geht dann ebenso achtsam wieder hinaus. Hier im Westen beginnt man meist mit dieser Stufe. Regelmäßiges Üben trägt wesentlich zur Gesunderhaltung des Körpers bei und entwickelt die yamas und niyamas von selbst in uns.

Pranayama sind Atemübungen. Prana ist die feinstoffliche Lebensenergie, die alles umgibt. Regelmäßiges pranayama verbessert die Lungenkapazität, versorgt uns mit neuer Energie, baut Stress ab und stärkt die Selbstheilungskräfte des Körpers.

Pratyahara ist das Zurückziehen der Sinne von den äußeren Objekten, die Vertiefung in das eigene Bewusstsein.

Dharana bedeutet die ständige Konzentration auf ein Objekt. Der Geist ist normalerweise sehr unruhig und springt von einem Gedanken zum nächsten. Das unablässige Üben führt mit der Zeit zu ekagrata, der Einpünktigkeit. Dieser Zustand führt dann gleich zur nächsten Stufe.

Dhyana, die Meditation. Hier ist der Meditierende der Beobachter seiner eigenen Gedanken und des Körpers. Er identifiziert sich mit keinem Objekt; jegliche Aktivität kommt zur Ruhe. Meditation kann man nicht üben, nur die Wege, die dorthin führen. Man fällt in Meditation wie man in Schlaf fällt.

Im samadhi ist der Geist in völliger Ruhe. Es stellt sich ein Gefühl des Glücks und der Einheit mit allen Wesen ein. Man befindet sich in einem überbewussten Zustand in völliger Ausgewogenheit und Gleichmut gegenüber Hitze, Kälte, Freude, Leid usw. Diesen Zustand zu beschreiben, ist sehr schwierig, da unser Wortschatz dafür bei weitem nicht ausreicht.

Jnana (sprich: jaana) Yoga ist der philosophische Ansatz und beschäftigt sich mit Fragen wie: Was ist der Sinn des Lebens? Was ist Glück? Hier wird auch der Begriff Karma in Zusammenhang mit Reinkarnation erklärt. Karma kann man vereinfacht als das Gesetz von Ursache und Wirkung betrachten. Das heißt, alles, was von uns ausgeht, kommt wieder zu uns zurück.

Es gibt 3 Arten von Karma:

· Sanchita Karma: das gesammelte Karma aller Geburten · Prarabda Karma: das Karma, das zu dieser Geburt geführt hat · Agami Karma: Karma aus dem jetzigen Leben; wird es nicht in diesem Leben abgebaut, so kommt es zu Sanchita Karma hinzu

Unsere Wünsche und Handlungen schaffen neues Karma und binden uns an samsara, den Kreislauf von Geburt und Tod.

"Die Weisen, die mit Wissen erfüllt sind, die die Früchte ihrer Handlung aufgegeben haben, und die frei sind von den Fesseln der Geburt, gehen an einen Ort, der jenseits allen Übels liegt."

Bhagavad Gita, Kapitel 2, Vers 51

Karma Yoga ist der Yoga des Handelns. Dazu zählt zum einen der selbstlose Dienst, zum anderen, dass das ganze Leben mit der sogenannten Haltung des Karma Yoga gelebt wird. Normalerweise versuchen wir, unangenehmen Situationen oder Menschen aus dem Weg zu gehen. Dabei ist die Haltung des Karma Yoga, Dinge so anzunehmen, wie sie auf uns zukommen. Man trifft Entscheidungen aufgrund der yamas und niyamas und Hindernisse werden als Möglichkeit des Wachstums zu betrachtet, ohne dabei zu resignieren.

Bhakti Yoga ist die Hingabe an Gott. Dazu gehört das Ausführen von Ritualen (Pujas), Mantras singen (Kirtan), Gebet und das Hören von Göttergeschichten. All das bewirkt die Öffnung des Herzens und lässt uns Liebe und Mitgefühl für alle Wesen empfinden.

Hatha Yoga beinhaltet Asanas, Pranayama, Tiefenentspannung, Kriyas (yogische Reinigungstechniken für den Körper) und gibt Ratschläge für eine gesunde Ernährung.

Der Kundalini Yoga ist der Yoga der Energie und erläutert den Astralkörper mit seinen Chakras (Energiezentren) und die Nadis (Energiekanäle). Die Kundalini Energie liegt schlafend am unteren Ende der Wirbelsäule und ist aufgerollt wie eine Schlange.

Hatha Yoga beinhaltet Asanas, Pranayama, Tiefenentspannung, Kriyas (yogische Reinigungstechniken für den Körper) und gibt Ratschläge für eine gesunde Ernährung.

Durch Reinigung des Astralkörpers und der Nadis nehmen wir vermehrt Prana auf, wodurch die Chakras harmonisiert und geöffnet werden.

Hatha Yoga und Kundalini Yoga sind untrennbar, denn es braucht einen starken und gesunden Körper, um die Energien zu erwecken und zu kanalisieren.